03. Oktober 2018

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Katharina Venjakob vom RSV Münster: Ganz in Gelb unterwegs


An der Spitze: Katharina Venjakob im Gelben Trikot. Foto: SportografMünster - Hanka Kupfernagel hat dem deutschen Frauen-Radsport ein Gesicht gegeben. Sie ist mit Abstand die erfolgreichste Radrennfahrerin aller Zeiten. 39 Lenze hat sie mittlerweile auf dem Buckel. Da bleibt nicht mehr all zu viel Spielraum bis zur sportlichen Rente. Aber: Was beziehungsweise wer kommt danach?

Wer suchet, der findet. Und das möglicherweise vor der eigenen Haustür. Name: Katharina Venjakob, Alter: 24, Verein: RSV Münster. Die frisch examinierte Diplom-Rechtspflegerin aus Senden eifert ihrem Vorbild kräftig nach, tritt mit einer gehörigen Portion Ehrgeiz in die Pedalen und hat Erfolg: Aktuell fährt sie beim German-Cycling-Cup, der deutschen Rennserie für Hobbyradsportler, in Gelb. „Das überrascht mich selbst ein wenig“, sagt sie mit ruhiger Stimme. Moment, bei aller Bescheidenheit, diese Platzierung ist fast schon sensationell. Warum? Weil Venjakob erst seit knapp zwei Jahren auf ihrem ambitionierten Drahtesel Platz nimmt. Stellt der RSV etwa künftig die neue Kupfernagel?

„Ich weiß gar nicht, ob ich das Zeug zum Profi hätte.“ Die 24-Jährige ist eine Frau der leisen Töne. Dabei könnte sie doch ganz anders. Immerhin zeigt sie selbst der männlichen Konkurrenz nicht selten nur ihr Hinterrad – sie hat Potenzial und Qualität. Und das mit einem Schnitt von nicht selten 40 Kilometern pro Stunde.

Über Papa Heinrich hat sie schließlich nach vielen Jahren als Fußballerin beim VfL Senden den Weg aufs Rennrad gefunden. „Der hat mich immer zur ‚Lohmann-Runde‘ mitgeschleppt.“ Von Mecklenbeck ging es Sonntag für Sonntag quer durch das Münsterland. Bis, ja bis sie von Michael Thyssen angesprochen wurde. Der sponsert das Team Bürstner Dümo und war begeistert vom Leistungsvermögen Venjakobs. Und dann ging alles ganz schnell. In Göttingen im April 2013 feierte sie bei der „Tour d’Energie“ ihre Premiere beim German-Cy­cling-Cup mit Platz 16. Der Start in eine atemberaubende Saison.

Elf Rennen hat sie bislang famos runtergespult. Höhepunkt war ihr Auftritt in Bad Saulgau Ende Juni, als sie die Führung im Gesamtklassement übernahm und ins gelbe Trikot fuhr. „Ein cooles Gefühl.“ Für ihren Erfolg zahlt sie allerdings einen hohen Preis. Zeit für Freizeit bleibt kaum. Ihr Tag beginnt um 5.30 Uhr. Gegen 6.45 Uhr tritt sie ihren Job, zurzeit beim Amtsgericht in Ahlen, an. Zur Ruhe kommt sie nach ihrem Dienst gegen 17 Uhr noch lange nicht. „Dann wird meist noch drei Stunden trainiert“, sagt sie, als sei das alles ganz normal. Für sie ist es das.

Noch ist es ein Hobby. Das könnte, muss aber nicht so bleiben. „Die Frage ist, ob ich das überhaupt will.“ Katharina Venjakob wirkt auf mal nachdenklich. So richtig üppig sind die Verdienstmöglichkeiten als Profi-Radrennfahrerin ja nicht. „Ein paar Hundert Euro vielleicht“, rechnet sie vor. Nicht genug, um davon zu leben. „Ich habe mein Studium beendet und jetzt einen sicheren Arbeitsplatz. Es wäre schon fahrlässig, das aufzugeben.“

Und da ist es plötzlich, das Vernunftsdenken. Sie scheint nichts Außergewöhnliches riskieren zu wollen, selbst wenn es reizvoll wäre. Ein Stück weit ist sie aber auch Realist. Der Sprung vom Hobby- zum Profisportler ist gewaltig, vielleicht ja zu gewaltig. Wie gut, dass sie in dieser Entscheidung völlig frei ist. André Fischer, WN / Foto: Sportograf

Originaltext in den Westfälischen Nachrichten

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